Eier

Eier in einem Eierkarton auf einem Holztisch mit dem Zahlencode für die jeweilige Haltungsform und aufgemalten Smileys, welche das Tierwohl wiederspiegeln: Sehr trauriger bis glücklicher Smiley.

An dieser Stelle möchte ich eine kurze Einleitung geben, was die vier gängigen Haltungsformen von Legehennen – Käfighaltung/ Kleingruppenhaltung, Bodenhaltung, Freilandhaltung und Ökologische Erzeugung – konkret für das Huhn bedeuten. Anschließend gebe ich einen kleinen Einblick in die Auswirkungen der Haltungsformen auf das Wohl und die Gesundheit der Tiere – auch das der männlichen Küken. Darunter findet ihr auch Tipps für euren Eierkauf und eine Hilfe zur Entzifferung des Codes, der auf jedem Ei aufgedruckt ist.
Und zum Schluss gibt es noch einen Test, den ihr zuhause selbst durchführen könnt. Das Lesen des vollen Artikels lohnt sich also!
Ich kann an dieser Stelle natürlich nicht wiedergeben, wie die Vorgaben der unterschiedlichen Haltungsformen tatsächlich umgesetzt werden. Wir alle haben jedoch schon zumindest von Videos gehört, die tierquälerische Haltungsbedingungen dokumentieren. Leider kann man auch bei Befolgung der Vorgaben bei den meisten Haltungsformen nicht von artgerechter Tierhaltung sprechen.

Käfighaltung bzw. Kleingruppenhaltung

Die Käfighaltung wurde durch die sogenannte Kleingruppenhaltung ersetzt. Was erstmal gut klingt, entpuppt sich doch faktisch als Käfighaltung, in der heute immer noch rund 10% der deutschen Hühner ihr Dasein fristen. Die Käfige sind im Gegensatz zu früher in verschiedene Bereiche aufgeteilt. Es gibt Flächen mit Einstreu, Stangen zum Sitzen und abgedunkelte Bereiche für die Eierlegung. Für ein Huhn ist jedoch nur die Fläche eines DIN A4 Blatts plus fünf Scheckkarten vorgesehen. Alle Vorgänge geschehen automatisch (Fütterung, Eiabtransport usw.) und sie sehen nie das Tageslicht.

Bodenhaltung

Der bei weitem größte Anteil der Legehühner lebt nach den Richtlinien zur Bodenhaltung. Bis zu 6000 Tiere leben bei dieser Haltungsform in einem geschlossenen Stall. Pro Quadratmeter dürfen neun Hennen gehalten werden. Für 27 Hennen werden also drei Quadratmeter eingeplant. Auf dieser kleinen Fläche leben faktisch also nur 3 Hennen weniger als bei der Kleingruppenhaltung. Wer weiß, wie groß das Zimmer ist, in dem er sich befindet, kann ja mal ausrechnen, wieviele Hühner darin gehalten würden, wäre es ein Stall. Bei 15 m2 sind es 135 Hühner, bei 20 m2 180 und bei 25 m2 wären es schon 225 Hühner!
Werden über dem Boden noch weitere nutzbare Ebenen eingefügt, wie Stangen, dürfen es sogar doppelt so viele – nämlich 18 Hennen – pro Quadratmeter des Stallbodens sein. Nahrungs- und Wasserzufuhr erfolgen automatisch. Durch die großflächige Verlegung von Kunststoffgittern als Boden, fällt der Kot zu großen Teilen in ein Auffangbecken. Die Tiere sehen meist nie das Tageslicht und führen oft Rangordnungskämpfe, da eine Rangordnung sich in solch großen Gruppen nicht stabil aufbauen lässt. Denn wie bereits weiter oben erwähnt, befinden sich 6.000 Hühner in einer Gruppe. Voneinander unterscheiden können sie jedoch nur 40 bis 250 Artgenossen.

Freilandhaltung

Hennen in der Freilandhaltung teilen sich ebenfalls zu neunt einen Quadratmeter Stall. Am Tage haben die Hennen Zugang zu einer Auslauffläche, bei der pro Tier 4 qm eingeplant werden müssen. Die Fläche soll zu großen Teilen bewachsen sein, was durch das hohe Kotaufkommen jedoch oft nicht praktisch umsetzbar ist. Es herrscht also nicht nur im Stall Infektionsgefahr. Außerdem halten sich die Tiere trotz Auslaufmöglichkeiten in Stallnähe auf, wenn die Freifläche keine Unterschlupfmöglichkeiten bietet. Auch bei dieser Haltungsform gibt es vermehrt Rangordnungskämpfe, die nicht selten Verletzungen zur Folge haben.

Ökologische Erzeugung

Die Preise für Bioeier variieren je nach Marke und Kaufstätte stark. Die Hauptursache ist die Tatsache, dass Bio nicht gleich Bio ist. Die Bioeier bei Discountern sowie die Geringpreisigen bei Vollsortimentern erfüllen gerade mal die Mindeststandards der EG-Öko-Verordnung. Nach dieser dürfen sechs Hühner auf einem Quadratmeter Stall gehalten werden. Zudem stehen ihnen 18 cm Sitzfläche auf einer Stange zu. Wie bei der Freilandhaltung werden pro Tier vier Quadratmeter Freiauslauffläche zur Verfügung gestellt. Die Futtermittel müssen natürlich aus ökologischer Erzeugung erfolgen. Diese kann, wie bei allen anderen Haltungsformen, von weit her stammen. Da die Gruppengröße auch in der Biohaltung bis zu 3.000 Legehennen betragen darf, haben die Tiere auch hier nicht die Möglichkeit eine stabile Rangordnung aufzubauen.

Wer kauft denn heute noch Eier aus Käfighaltung?

Die meisten von uns. Und zwar unbewusst. Denn in vielen Produkten, die wir kaufen, sind Eier verarbeitet. Woher diese stammen, muss nicht gekennzeichnet werden, weshalb die meisten Unternehmen das unterlassen. Auf manchen Produkten findet man jedoch einen Hinweis auf der Verpackung. Wer nicht lange auf der Verpackung suchen möchte, greift gleich zu Bio-Produkten. Da muss doch dann Bio-Ei enthalten sein, oder? Nicht unbedingt. Denn nach EU-Verordnung dürfen bis zu 5% der Inhaltsstoffe von Bio-Produkten aus konventioneller Landwirtschaft stammen.
Die Wahrscheinlichkeit, ein Bio-Produkt mit konventionellem Ei zu kaufen ist höher, wenn nur ein EU-Label darauf abgebildet ist. Es gibt Label, die weitaus höhere Standards in der Tierzucht und Landwirtschaft setzen. Diese sind beispielsweise Demeter und Bioland.

Natürliche Verhaltensweisen und Verhaltensstörungen

Gesundheit

Einen weiteren Pluspunkt für das Tierwohl erhält die Biohaltung von Legehennen für das Verbot des Schnabelkürzens, welches sonst ohne Betäubung durchgeführt wird. Diesem Pluspunkt steht jedoch einem damit einhergehenden Negativpunkt gegenüber: Die Tiere können mit den intakten Schnäbeln ihr eigenes, aber auch das Gefieder ihrer Artgenossen, besser herausreißen, als Tiere, denen man den Schnabel kupiert hat. Dieses sogenannte Federpicken ist eine Verhaltensstörung, die auftritt, weil die Tiere nicht ihrem natürlichen Verhalten nachgehen können. Es ist nicht nur mit starken Schmerzen verbunden, sondern auch ein klarer Hinweis auf mangelndes Wohlbefinden.
Eine weitere Gefahr für die Gesundheit bildet die Gasentwicklung der Exkremente. Dabei ist es vor allem das Ammoniakgas, welches die Atemwege reizt. Der Staub von Einstreu, Futterresten und Hautschuppen gelangt dabei ebenfalls in die Luft. Dieser verursachen nicht nur Lungenschäden, an ihm haften Krankheitserreger auch besonders gut.

Verhalten

Einen Großteil ihrer Zeit verbringen Hennen in freier Wildbahn mit der Futtersuche. Diese dient den Tieren also auch als Beschäftigung. Für das dafür nötige Scharren im Boden ist jedoch einerseits zu wenig Platz im Stall, andererseits der Boden nicht dick und abwechslungsreich genug. Auch das Reißen, Ziehen und Bearbeiten von im Boden Befindlichem, ist den Legehennen nicht möglich. Das Feder- oder auch Kloakenpicken ist demnach eine Art Ersatzbeschäftigung.
Das Gefieder dient den Tieren als Schutz vor Parasiten und hilft bei der Regulierung der Körpertemperatur. In natürlicher Umgebung tun die Hennen demnach viel, um dieses zu pflegen. Sie nutzen Sand, um darin zu baden. Anschießend benötigen sie Ruhe, um diesen wieder abzuschütteln. Besonders in der Käfighaltung ist der Sand nicht ausreichend vorhanden, was die Tiere frustriert. Durch die enorme Gruppengröße stören sich außerdem gegenseitig ständig in ihren Ruhephasen. Das hohe Aufkommen von Exkrementen erschwert es den Tieren zusätzlich, ihr Gefieder sauber zu halten.
Unruhe und Fehlverhalten quellt auch in der Störung des natürlichen Lege- und Sexualverhaltes. Hennen suchen sich von Natur aus einen festen Nestplatz für die Eiablage. Die Ställe bieten nicht ausreichend Fläche, die es jeder Henne ermöglicht ein eigenes Nest zu bauen. Zudem sind die Böden in den dafür vorgesehenen Bereichen oft abgeschrägt. Die Eier rollen dadurch in einen Sammelbehälter und müssen nicht von Hand eingelesen werden. Auch das Nichtausüben von nestbezogenem Verhalten hat Verhaltensstörungen und Aggressivität zur Folge.
Kannibalismus ist eine Folge nicht artgerechter Tierhaltung. Kannibalismus sowie erhöhte Aggressivität können durch die Anwesenheit von Hähnen reduziert werden. Sie helfen bei der Bildung von Untergruppen und damit einer Rangordnung. Aber was passiert überhaupt mit all den männlichen Küken? Ergeht es ihnen besser?

Das unerwünschte Geschlecht

Leider nein. Sie werden nach der Geburt direkt vergast oder geschreddert. Der Erstickungsprozess kann dabei bis zu 60 Sekunden benötigen.
Und ihr könnt es sicher schon erraten: In den Mastbetrieben sind es die weiblichen Küken, die dieses Schicksal ereilt.
Aber warum ist das so? Kann man denn nicht einfach die Küken des jeweils anderen Geschlechts zum Mast- bzw. Legebetrieb transportieren?
Und wieder ist die Antwort leider: nein. Zumindest nicht bei den in den Supermärkten gängigen Preisen für Geflügel. Dies liegt jedoch nicht an den Kosten, die ein Transport verursacht. Der Grund liegt in den Genen der Legehennen und Masthühner.
Die für die Eierproduktion genutzten Hennen sind sogenannte Hybridhühner. Dies sind die Kinder zweier reinrassiger Eltern (verschiedener Rassen). Das gewünschte Merkmal (hier: Legeleistung oder Fleischansetzung) ist bei den Kindern stärker ausgeprägt, als bei ihren Eltern. So können Legehennen heute über 300 Eier im Jahr legen. Diese Legeleistung ist bis zu 6 Mal höher als die ursprünglicher Rassen.

Was bedeutet das?

Es bedeutet, dass ein Hof nicht seine eigene nächste Kükengeneration züchten kann. Und es bedeutet eben auch, dass das jeweils ein Geschlecht für die Industrie unbrauchbar ist. Die männlichen Küken der auf Legeleistung gezüchteten Hühner setzen bedeutend weniger Fleisch an, als jene Hybridhühner, die extra für die Mast gezüchtet wurden.
Übrigens: Nach 12-15 Monaten lässt die Legeleistung der Hennen nach. Sie werden geschlachtet und landen als Suppenhühner in unseren Töpfen. Zum Vergleich: Ein Haushuhn wird im Schnitt 5-7 Jahre alt.

Welche Eier kann ich ohne schlechtes Gewissen essen?

Es gibt Biomarken, welche ihren Hühnern bessere Lebensbedingungen bieten als das EU-Biosiegel verlangt. Und es gibt Biomarken, welche zusätzlich auf die Tötung der männlichen Küken verzichtet:

Demeter – zu kaufen in Bioläden und manchen Supermärkten
Bioland – hauptsächlich in Bioläden im Sortiment
EiCare – zu finden in Bioläden in Berlin und Brandenburg
Alnatura Bruderküken-Initiative – in Alnatura-Märkten erwerbbar
Haehnlein – zu finden in Bioläden und Supermärkten
Also beim nächsten Eierkauf einfach mal einen Blick auf die Verpackung werfen. Die meisten Marken kommunizieren den Grund für den etwas höheren Preis, damit der Konsument bereit ist, mehr Geld für das Produkt auszugeben. Ein weiterer Vorteil für die Umwelt: Diese Eier werden oft regional vermarktet.

Eigene Erfahrung

Ich selbst habe mehrfach die Domäne Dahlem in Berlin besucht, welche nicht nur ein wunderschöner (und kostenloser) Ausflugsort ist. Dort werden auch Hühner in kleinen Gruppen gehalten und Eier für die Marke Bioland produziert. Die Tiere sehen gesund aus, haben überdachten Auslauf, Nestplätze und einzelne Hähne unter den Legehennen. Dort züchten sie ihre eigene nächste Kükengeneration, wovon die männlichen gemästet, aber immerhin nicht direkt nach der Geburt geschreddert werden.

Code knacken

Jeder kennt den langen, auf jedes Ei aufgedruckten Code. Höchste Zeit, ihn zu knacken!
Die erste Nummer steht dabei für die Haltungsform der Legehenne.

Ei auf Holztisch mit Code/ Kennzeichnung der Haltungsform, Herkunftsland, Bundesland, Betriebsnummer, Stallnummer.
Eier – Code

3 – Käfighaltung bzw. Kleingruppenhaltung
2 – Bodenhaltung
1 – Freilandhaltung
0 – Bio-Haltung/ Ökologische Erzeugung

Die beiden darauffolgenden Buchstaben sind Länderkürzel. Ein Ei mit dem Kürzel DE wurde demnach in Deutschland produziert. Hier ein paar weitere Kürzel aus unserer Nachbarschaft sind:

 

AT = Österreich
BE = Belgien
CH = Schweiz
CZ = Tschechien
DK = Dänemark
FR = Frankreich
LU = Luxemburg
NL = Niederlande
PL = Polen

Habt ihr mal eben den Code auf den Eiern in eurem Kühlschrank gecheckt? Ein Ei aus Deutschland muss aber – je nach Wohnort – nicht unbedingt regionaler sein, als ein Ei aus einem Nachbarland. Wer sich für das Bundesland interessiert, in welchem die Legehenne wohnt, den könnten die nächsten zwei Zahlen des Codes interessieren.

01 = Schleswig-Holstein
02 = Hamburg
03 = Niedersachsen
04 = Bremen
05 = Nordrhein-Westfalen
06 = Hessen
07 = Rheinland-Pfalz
08 = Baden-Württemberg
09 = Bayern
10 = Saarland
11 = Berlin
12 = Brandenburg
13 = Mecklenburg-Vorpommern
14 = Sachen
15 = Sachsen-Anhalt
16 = Thüringen
Die nun folgenden vier Nummern kennzeichnen den jeweiligen Betrieb. Die letzte Nummer steht für den jeweiligen Stall.
Die Güteklasse „A“ auf der Verpackung bedeutet lediglich: Dies ist ein Ei, welches für den normalen Haushalt bestimmt ist. Die Gewichtsklassen S, M, L und XL sind laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft wie folgt eingeteilt:
S – unter 53 Gramm
M – unter 63 bis 53 Gramm
L – unter 73 bis 63 Gramm
XL – 73 Gramm und mehr

Der ist-mein-Ei-noch-gut-Test

Super! Mein Bio-Ei ist vom Bauern in meinem Bundesland. Aber ich weiß nicht, ob es noch gut ist. Da kann dieser einfache Test Licht ins Innenleben des Eies bringen:

Drei mit Wasser gefüllte Schalen, in der Linken liegt das Ei auf dem Schüsselboden, in der Mittleren hat es sich am Boden aufgestellt und in der Rechten schwimmt es an der Wasseroberfläche.
Ist das Ei noch gut-Test
Das Ei liegt auf seiner länglichen Seite auf dem Schüsselboden. Es ist noch frisch und bereit für jedes Küchenabenteuer.
Das Ei stellt sich auf, hat jedoch noch Kontakt zum Schüsselboden. Es ist nicht mehr das Jüngste und es beginnen sich Gase zu bilden. Gut durchkochen oder -braten!
Das Ei schwimmt an der Wasseroberfläche, getragen von Gasen, die sich in großer Menge darin gebildet haben. Dieses Ei ist leider nur noch für den Mülleimer genießbar.

Hinweis: Alle meine Informationen zur Haltung und ihrer Auswirkungen auf das Tier habe ich von der Website der Albert Schweitzer Stiftung erhalten.

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