Milchprodukte

Cartoon Milchkuh hinter Gittern mit einer Methanwolke im Hintergrund

Milchprodukte

Die Milch unserer Milchprodukte stammt von Kühen. So viel ist klar. Kühe produzieren am Tag eine Menge Methan. So viel ist auch klar. Und zwar 200-500 Liter Methangas pro Tag! Dabei ist Methan 25 Mal klimawirksamer als Kohlendioxid. Zudem werden für die Produktion von einem Liter Milch 1000 Liter Wasser benötigt.

Deshalb wäre es bei Milchprodukten besonders schade, wenn man sie verkommen lässt. Bedenkt man die Lebensbedingungen der Tiere in Gefangenschaft, ist keine Berechnung des Werts der Lebensmittel mehr möglich.

Für alle Milchprodukte gilt:

Bio: besser für Mensch und Tier

Kühe sind intelligente und soziale Tiere. Auch die Biohaltung nach EU-Öko-Verordnung ermöglicht den Tieren keine artgerechte Lebensweise. Viele Bauern würden gern glückliche Kühe halten, doch der Preis, zu welchen ihnen die Milch abgenommen wird, gibt das nicht her. Milch von Kühen, die auf der Weide grasen, sind oft leider nur Werbegeschichten. Und der Mangel an Bewegungsfreiheit ist erst der Anfang von Millionen von Leidensgeschichten.
Man kann entweder auf den Verzehr von Milch verzichten, oder bei jedem Kauf eines Milchprodukts diejenigen Landwirte belohnen, die viel Arbeit in das Wohlergehen ihrer Kühe stecken. Für unter einen Euro pro Liter findet man da sicherlich keinen Kandidaten. Da es in jeder Region andere, lokale Marken gibt, lohnt es sich, mal die eine oder andere vielversprechende unter die Lupe zu nehmen. Das hat man einmal erledigt und kann fortan wieder zum zeitsparenden Gewohnheitskauf übergehen. Anbauverbände mit hohen Bio- und Tierwohlstandards, die Deutschlandweit verfügbar sein sollten, sind Demeter, Naturland und Bioland. Auf Seite 5 der des Milchratgebers findet ihr einen anschaulichen Vergleich der Haltungsstandards. Dort seht ihr auch, ob eure Lieblingsmilchmarke vielleicht sogar schon von einem der drei Verbände beliefert wird.

Auf Regionalität achten

Dies gilt natürlich bei allen Produkten, nur ist es nicht entlang des gesamten Sortiments möglich, dies konsequent einzuhalten. Bei Milchprodukten ist dies ohne großen Aufwand machbar, genauso wie bei Obst und Gemüse. Denn wie bereits erwähnt, gibt es in jeder Region andere lokale Marken. Die Wahrscheinlichkeit, darunter einen vergleichsweise kleinen Betrieb mit höheren Tierwohlstandards als nach der EU-Öko-Verordnung zu finden, ist größer.
Der Kauf von regional erzeugten Milchprodukten spart eine Menge Brummiefahrten quer durch die Republik ein. Dies ist besonders bei Milch in Mehrwegflaschen von Bedeutung. Weshalb das so ist, erkläre ich kurz im Absatz Verpackung weiter unten.

Milch, Milchalternative, Mix und Mandeln

Mix and Match

Legt euch bei eurem nächsten Einkauf ruhig mal eine Milchalternative (aus rechtlichen Gründen als „Drink“ bezeichnet) in den Wagen und probiert aus, an welcher Stelle ihr Kuhmilch durch diese ersetzen könnt. Zur Auswahl stehen z.B. Soja-, Mandel-, Kokos-, Reis-, Hafer- und Haselnussdrinks. Des Weiteren stehen oft noch gesüßte, mit Vanille versetzte und gemischte Sorten im Regal. Ihr müsst die Milch nicht vollständig aus eurem Kühlschrank verbannen, vielleicht aber könnt ihr euren Konsum verringern.

Probieren geht über studieren

In Kaffee flocken Milchalternativen oft aus und kommen dem Geschmack von Milch leider nicht gleich. Meine Erfahrung ist jedoch: Je höher der Fettgehalt, desto besser schmeckt´s. Wer den im Trend liegenden Bulletproof-Kaffee kennt, der weiß: Kokos und Kaffee passen zusammen. In Kakao, Müsli oder Overnight Oats kann eine Milchalternative – wie z.B. Mandel-Kokos – aber auch den entscheidenden Geschmackskick geben.
Wem Sojamilch in Kakao oder Müsli zu „dünn“ schmeckt, der kann diese auch zur Hälfte mit Kuhmilch auffüllen und hat somit immerhin schon die Hälfte eingespart. Dies gilt jedoch nur für Haushalte, die innerhalb von etwa einer Woche zwei geöffnete Milchtüten verbrauchen können.

…doch vor dem Probieren, dies studieren:

Der Hauptbestandteil dieser Drinks ist natürlich Wasser. Die Namensgebenden Inhalte dieser Drinks bewegen sich in einstelligem bis unteren zweistelligen Prozentbereich. Bei Soja, Reis, Mandeln und Kokos schlägt sich oft nicht nur der Transport von weit her schlecht auf die Klimabilanz aus, sondern auch der Anbau dieser hat negative Auswirkungen wie hohe Treibhausgasemissionen und die Austrocknung der lokalen Wasservorräte. Weshalb der Reisanbau so klimaschädlich ist, könnt ihr unter Kartoffeln statt Reis nachlesen. 80% der weltweiten Mandelernte stammt aus Kalifornien. Die Produktion von Mandeln hat den – zumindest mir bekannten (Fleisch ausgenommen) – höchsten Wasserverbrauch aller unverarbeiteten Lebensmittel. Und zwar 4 Liter pro Mandel. Pro einzelner Mandel! Das in Kalifornien Wasserknappheit herrscht, das ist ja bereits relativ bekannt.

Der Mandelanteil in Mandelmilch liegt im einstelligen Prozentbereich. Möchte man diese zuhause selber herstellen, benötigt man jedoch 200g Mandeln auf einen Liter Wasser. Der geringe Mandelanteil täuscht also über die tatsächlich bei der Produktion verwendeten Menge hinweg. Nicht zu vergessen: Zuhause wie in der Fabrik entsteht ein Restprodukt: das Mandelmehl. Der tatsächliche Wasserverbrauch bei der Herstellung kann also auf Milch und Mehl aufgeteilt werden. Wie hoch der Wasserverbrauch pro Liter Mandelmilch tatsächlich ist, bleibt unbekannt. Pro Liter Kuhmilch werden jedenfalls rund 1000 Liter Wasser eingesetzt.

Mein Tipp

Label EU-Landwirtschaft nach DE-Öko Verordnung
EU-Landwirtschaft

Greift zu den Produkten der Marke Promavel (erhältlich u.a. bei DM und in Bio-Märkten). Die dort verwendeten Mandeln (sowie Sojabohnen, Reis und Hafer) werden in Europa angebaut. Zudem produzieren sie den eigenen Angaben nach CO2-neutral und fair. Generell ist auf Verpackungen ausgewiesen, ob die Inhaltsstoffe aus Europa stammen, oder nicht, oder beides. Achtet auf die Herkunftsbezeichnungen „EU-Landwirtschaft“, „Nicht-EU-Landwirtschaft“ und „EU/ Nicht-EU-Landwirtschaft“.
Und damit wären wir schon beim nächsten wichtigen Kriterium des Milchkaufs: Der…

…Verpackung

Eine Mehrwegglasflasche spart Abfall beim Milchkauf ein. Doch die Glasflasche erschwert nicht nur uns den Nachhauseweg, sondern fällt auch beim Transport vom Produzenten zum Supermarkt ins Gewicht. Stammt die Lieblingsmilch vom anderen Ende der Republik oder einem weiter entfernten EU-Land, muss diese nicht nur samt Inhalt viele hundert Kilometer hin zu uns, sondern auch wieder zurück (dann selbstverständlich ohne Inhalt) transportiert werden. Also: Besonders bei Milch in Mehrwegbehältern auf Regionalität Wert legen!
Wenn möglich, greift man zum Schlauchbeutel. Der Schlauchbeutel von Hemme hat sogar eine Auszeichnung erhalten, da er die Handhabung erleichtert, Energie und Wasser bei der Herstellung spart und natürlich nur ein Drittel der Materialmenge eines herkömmlichen Milchkartons benötigt.

Hemme Milch-Schlauchbeutel in Schwarz auf weißem Untergrund
Hemme Milch-Schlauchbeutel

Ansonsten findet man z.B. Frischkäse gern vorportioniert. Dies mag in vielerlei Hinsicht praktisch sein. Wer jedoch immer mit sauberem Besteck arbeitet und diesen innerhalb von etwa einer Woche verzehrt, der kann sich den Verpackungsmüll sparen und auf einzeln verpackte Vorportionierung verzichten.

Butter oder Margarine? Das ist hier die Frage

Bei der konventionellen Produktion von einem Kilo Milch (ja, Kilo, um verschiedene Lebensmittel besser vergleichbar zu machen) entstehen im Schnitt 940g CO2. Um ein Kilo Butter zu produzieren, benötigt man mehr als 20 Liter Milch. Butter zählt also zu den im großen Maße klimaschädlichen Produkten. Sollte man also nie wieder Butter essen und auf Margarine umsteigen? Für wen das möglich ist, der sollte das tun. Man kann das Butter-Problem aber auch von einer anderen Seite betrachten: Butter genießen wir in geringen Mengen. Doch wieviel Milch trinken wir in dieser Zeit? Wieviel Käse essen wir? Wieviel Fleisch? Allein zwei Kilogramm Rindfleisch haben einen höheren Durchschnittsausstoß an Kohlendioxid als ein Kilogramm Butter – nämlich über 26 Kg. Der Genuss eines Steaks hat also die Klimabilanz vieler mit Butter geschmierter Brote. Für Tier und Klima ist eine Reduktion des Fleischkonsums also weitaus effektiver. Um einen Beitrag für den Klimaschutz zu leisten, ohne sich selbst allzu stark einschränken zu müssen, sollte man also immer an den Schrauben drehen, die die größten Auswirkungen haben. Wer seinen Butterkonsum trotzdem gerne reduzieren möchte, könnte diese beim Braten und Backen gegen Margarine ersetzen.

Tabelle mit CO2-Äquivalenten in Gramm pro Kilogramm Produkt: Milch, Sahne, Quark, Butter, Rindfleisch
Treibhausgasemissionen – Milchprodukte und Rindfleisch – Erstellt nach Angaben des Öko-Institu e.V. (2007) „Treibhausgasemissionen durch Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln“.

Bei der Entscheidung für einen Umstieg auf Margarine sollten auch die Auswirkungen auf die Gesundheit recherchiert werden (Stichwort: Omega-6 und Omega-3-Fettsäuren). Man sollte also eher zu Marken mit hohem Raps, Oliven- und Leinölanteil und geringeren Mengen Sonnenblumen-, Palm- und Maiskeimöl greifen. Wenn man dann schon mal dabei ist, die Liste der Inhaltsstoffe zu studieren, kann man diese gleich bis zum Ende durchgehen. So einigen Margarinen sind nämlich Stoffe beigefügt, auf deren Verzehr man lieber verzichten möchte. Tipp: Begebt euch im Kühlregal von Bioläden auf die Suche. Ist einmal die passende Margarine gefunden, fällt der Suchaufwand in Zukunft weg.

Alles Käse

Für die Herstellung von einem Kilo Käse benötigt man immerhin noch 10 Liter Milch. Die Industrie ist natürlich findig und weiß Besseres mit dem nahrhaften, sogenannten Abfallprodukt Molke anzufangen. Daher gibt es heute weit mehr zu kaufen als Molkedrinks und Molkeriegel. Ein Teil landet sogar als Molkenpulver in Margarine! Also Obacht: nicht jede Margarine ist vegan.
Ein Teil wird auch an Tiere verfüttert. Doch bei den großen Mengen Käse, die es täglich in unsere Läden schaffen, fragt man sich doch, ob nicht ein Teil einfach entsorgt wird.
Wir halten fest: Nicht nur der Grundstoff aller Milchprodukte verschlingt viele Rohstoffe. Auch bei der Weiterverarbeitung wird viel Input für wenig Output benötigt. Und am Ende ist einer Butterstulle mit Käse doch immer noch besser als ein Margarinebrot mit Wurst.

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