Obst- und Gemüseabteilung

Bananen mit traurigem und glücklichem Gesicht

Das Angebot der Obst- und Gemüseabteilungen in Supermärkten, aber auch Discountern und Bioläden wird immer umfassender. Erdbeeren kaufen nur die wenigsten von uns im Winter. Aber kaum jemandem fällt auf, dass auch das deutsche Superfood Kartoffel nicht selten aus der Wüste eingeflogen wird. Wie man beim Obst- und Gemüseeinkauf die nachhaltigere Wahl trifft, könnt ihr hier lesen.

2. Obst- und Gemüseabteilung

2a. Kaufe unverpacktes Obst und Gemüse.

Im Supermarkt ist fast alles in Plastik und/oder Papier verpackt. Es bleibt uns nur, den vorhandenen Spielraum zu nutzen. Brauchst du wirklich die kleinen portionierten Cherrytomaten? Viele Gerichte, die du aus Tomaten zaubern kannst, schmecken auch mit Fleischtomaten ausgezeichnet.

2b. Nutze keine Plastiktüten für dein Obst und Gemüse.

Plastikverpackungen sollen dem Verbraucher suggerieren ein besonders hochwertiges, da schützenswertes Produkt in den Händen zu halten. Dabei stattet die Natur ihre Früchte selbst mit einem Schutz vor Schädlingen aus. Auch einsame Bananen, Tomaten, Äpfel und Co. gehen in deinem Einkaufswagen und in der Tasche auf dem Nachhauseweg nicht verloren.
Die Einsparung einer Tüte erfordert lediglich einen winzigen Mehraufwand, nämlich diejenigen wenigen Handgriffe, um die einzelnen Früchte auf das Kassenband, in die Tasche und anschließend in die Obstschale oder den Kühlschrank zu legen.

2c. Kaufe einsames Obst und Gemüse.

Klassisches Beispiel: Bananen. Nie findet man die passende Anzahl zusammenhängender Bananen, die den gewünschten Reifegrad haben. Also bricht man von den Bananenbündeln ab, was man nicht braucht. Suche dir so viele einzelne (einsame) Bananen zusammen, wie du benötigst. Diese landen sonst nach Ladenschluss im Müll.

2d. Senke die Heiz- und Kühlkosten deines Obstes und Gemüses.

Damit eine Pflanze auch außerhalb ihrer natürlichen Wachstumszeit – der Saison – gedeihen kann, muss diese in einem Treibhaus künstlich beheizt werden. Während der Lagerung und des Transports müssen die geernteten Früchte dann oft gekühlt werden. Es muss immer ein Herkunftsland angegeben werden: Wähle z.B. lieber den deutschen Apfel als den aus Südafrika.
Aber auch Äpfel können bei uns nicht ganzjährig geerntet werden und müssen energieintensiv gelagert werden. Da kann es schonmal vorkommen, dass ein eingeflogener Apfel weniger Emissionen verursacht, als einer, der monatelang im Kühlhaus lagert.
Hier findest du eine Jahresübersicht von saisonalem Obst und Gemüse aus Deutschland. Drucke sie dir aus, pinne sie an deinen Kühlschrank und mache ein Foto davon, damit du auch während des Einkaufs noch mal einen Blick darauf werfen kannst. Alternativ findest du auch viele Apps, die dir anzeigen welche Sorten gerade Saison haben.

2e. Lass dein Obst und Gemüse keine Flugmeilen sammeln.

Kaufe regionales Obst- und Gemüse, wenn es möglich ist. Dies ist meist extra ausgeschildert.

2f. Auch Obst und Gemüse haben Schönheitsmakel.

Stört mich die Macke in der Schale und die ungewöhnliche Form? Muss ich das Gemüse nicht sowieso schälen und schneiden? Ob Delle oder ungewöhnliche Form, die Frucht ist unverwechselbar. So wie man eindeutig einen Menschen als einen solchen identifizieren kann, obwohl keiner aussieht, wie der andere. Nun wo es wieder krumme Gurken im Handel gibt, heißt das noch lange nicht, dass es jede Krümmung ins Regal schafft. Gebt dem Handel ein Zeichen: Das Aussehen ist uns egal, der Geschmack entscheidet!

2g. Kaufe Bio.

Gut für dich, gut für Umwelt, gut für uns alle. Aber vergiss nicht: Bio ist nicht gleich Öko. Denn viele Bioprodukte werden in fernen Ländern und/ oder nicht saisonal produziert.

2h. Finanziere keine Werbung beim Kauf deines Salats.

Brauche ich emotional aufgeladenen Salat? Für die perfekten, plastikverpackten Salatmischungen werden nur die Premiumblätter verwendet. Das, was wir wahrscheinlich noch ohne Bedenken essen würden, wird in der Fabrik aussortiert und zum Teil weggeschmissen. Natürlich gibt es sie das ganze Jahr zu kaufen. Dies bedeutet: Gewächshäuser, ferne Anbauländer, Kühltransport.
Versuche unverpackte oder wenig verpackte Salatköpfe zu kaufen. Rucola, Feldsalat & Co. werden oft in einer Plastikschale mit zusätzlicher Plastikumhüllung angeboten. Dies verursacht eine Menge Müll und oft werden die feinen Blätter darin schnell ungenießbar.
Doch mal ganz ehrlich, wer möchte schon dauerhaft auf einen bunten Salat verzichten? Wer allerdings den Großteil des Salats wegschmeißen würde, wenn er sich Rucola, Feldsalat und Co. einzeln kauft, sollte doch lieber zur Mischpackung greifen.

2i. Kartoffeln statt Reis.

Siegertreppchen, welches die Nachhaltigkeit von Lebensmitteln ehrt.
Die deutsche Kartoffel ist am umweltschonendsten und gewinnt Platz 1. Der Reis hat den dritten Platz nicht verdient und fällt halb vom Treppchen.

Während Reis aus fernen Ländern eingeflogen wird, wachsen Kartoffeln auf dem Feld um die Ecke. Es landen jedoch auch immer mehr Kartoffeln aus Wüstenländern in unseren Supermarktregalen. Bei deren Anbau werden bis zu 300 Liter Wasser pro Kilogramm benötigt, während es in Deutschland nur 8 Liter sind. Dabei macht der Transport des Reises nur 8% der Klimawirkung aus, der wahre Umweltschaden entsteht beim Anbau. Beim gängigen Nassreisanbau werden die Felder mit Wasser geschwemmt. Der entstehende Schlamm bildet einen optimalen Nährboden für Methan erzeugende Bakterien. 10 bis 17% der globalen Methanemission sollen allein durch den Nassreisanbau verursacht werden. Dabei ist Methan 25 Mal klimawirksamer als CO2.
Beim Griff zu einem Kilogramm Kartoffeln werden im Vergleich zu einem Kilogramm Reis 15 Kilogramm CO2 eingespart, beim Griff zu Nudeln immerhin noch 11. Was aber tun, wenn Kartoffeln und Nudeln partout nicht zum Gericht passen wollen? Dann sind Dinkel oder Couscous eine mögliche Alternative („Einfach Öko“, M. Franken & M. Götze, S. 51f.).

2j. Verhindere die Ausgrabung von Sonnenstrahlung durch Verzicht auf torfhaltige Blumenerde.

Blumenerde ist besonders im Frühjahr in vielen Supermärkten in der Nähe der Frischwarenabteilung zu finden. Die Preise für mehrere Liter Blumenerde sind unglaublich verlockend. Zudem spart man sich den Gang zum Blumenladen oder Pflanzencenter. Diese billige Erde enthält jedoch in den meisten Fällen Torf, welcher wiederum eine große Menge Kohlenstoff enthält, der vor vielen Millionen Jahren durch natürliche Prozesse aus der Atmosphäre gebunden wurde. Durch die Ausgrabung des Torf kann der Kohlenstoff (C) mit Sauerstoff (O2) zu dem klimawirksamen Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) reagieren.
So erkennst du torffreie Erde schneller: Halte nach Bioerde Ausschau, diese ist oft torffrei, aber leider nicht immer, weshalb man auch hier das Kleingedruckte lesen sollte. Der BUND hat hier (ab Seite 4) torffreie Erden aufgelistet und diese nach Verkaufsstellen sortiert (Obi, Pflanzen-Kölle und Co.). Ein Blick hinein verrät: auch bei Rewe gibt es torffreie Erde zu kaufen!

2k. Das Ende der Obst- und Gemüseabteilung ist erst der Anfang des Verpackungsmülls.

Ist man erst durch diese Abteilung hindurch, findet man so gut wie kein Produkt, welches nicht mindestens einfach verpackt ist. Der Spinat in einer Plastiktüte ist also für die Umwelt eine bessere Wahl, als der Tiefkühlspinat.

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